In einem Molkereibetrieb wurden im Rahmen eines internen Hygiene-Audits wiederholt erhöhte Keimwerte an HMI-Bedienpanels festgestellt – trotz täglicher Reinigung. Die Ursache lag nicht im Reinigungsprozess, sie lag in der Konstruktion: minimale Fugen an Übergängen zwischen Frontfolie und Gehäuse – konstruktiv vorhanden und praktisch nicht erreichbar.
Solche Beispiele sind kein Einzelfall. Kontaminationsrisiken entstehen in hygienekritischen Produktionsumgebungen häufig dann, wenn Bauteile konstruktiv nicht vollständig reinigbar sind. Wo Reinigung physikalisch nicht hinkommt, kann sie auch keine Wirkung entfalten. Die technische Konsequenz ist eindeutig:
Hygiene entsteht nicht nur durch Reinigung – sondern auch durch Konstruktion.
In diesem Text erfahren Sie mehr darüber, worauf beim Einsatz von HMI-Systemen in hygienekritischen Umgebungen zu achten ist – Anforderungen an die Werkstoffauswahl, die Konstruktion, die Schutzart.
Hygienegerechte HMI-Systeme folgen keinem Optimierungsansatz, sondern einem Ausschlussprinzip:
Konstruktive Schwachstellen dürfen gar nicht erst entstehen.
Daraus ergeben sich drei zentrale Anforderungen:
1. Geschlossene, fugenfreie Oberflächen
2. Vollständig reinigungsfähige Geometrie
Alle Bereiche eines Systems müssen für Reinigungsmedien erreichbar sein. Wenn Toträume vorhanden sind, bleiben Rückstände bestehen – unabhängig von Reinigungsdauer oder -intensität.
3. Dauerhaft dichte Systemintegration
Dichtheit muss unter realen Bedingungen bestehen bleiben: Hochdruck, Temperaturwechsel und chemische Belastung wirken dauerhaft auf das System ein. Wenn Dichtungen nachlassen, entsteht ein strukturelles Hygienerisiko.
Hygienische Schwachstellen entstehen typischerweise nicht im sichtbaren Bedienbereich, sondern an konstruktiven Schnittstellen:
Diese Bereiche lassen sich unter realen Reinigungsbedingungen oft nicht vollständig dekontaminieren.
Wenn solche Strukturen vorhanden sind, bleibt ein Restrisiko bestehen. Daher vermeiden hygienegerechte Systeme diese Geometrien durch konstruktive Eliminierung.
Industrielle Reinigung bedeutet für die Geräte eine mechanische und chemische Dauerbelastung:
Daraus folgt eine klare technische Anforderung:
Wenn eine Anwendung regelmäßig mit Hochdruck gereinigt wird, ist IP69K funktional erforderlich.
Niedrigere Schutzarten können unter diesen Bedingungen langfristig zu Undichtigkeiten führen.
Die Materialwahl beeinflusst in hohem Maße, ob ein System dauerhaft hygienisch stabil bleibt.
Edelstahl V4A (1.4404 / 316L) hat sich im Hygienic Design als "Werkstoff der Wahl" etabliert, weil er:
Wichtig: Wenn Materialien aufrauen, korrodieren oder chemisch reagieren, entstehen neue Ablagerungsflächen.
Technische Kunststoffe (z. B. PC/ABS, Polyamide) können eingesetzt werden, sofern sie chemisch beständig sind und keine strukturellen Schwachstellen erzeugen.
Dichtungen aus TPE oder Silikon müssen ihre Eigenschaften über den gesamten Einsatzzeitraum behalten – insbesondere unter Temperatur- und Chemikalienbelastung.
Kapazitive Glasoberflächen bieten Vorteile beim Reinigen, können jedoch in Anwendungen mit Handschuhbedienung funktional eingeschränkt sein.
Die Anforderungen an hygienegerechte HMI-Systeme sind normativ klar definiert:
Diese Regelwerke beschreiben konkret, wie Konstruktion, Material und Reinigungseigenschaften ausgelegt sein müssen.
Die Anforderungen an hygienegerechte HMI-Systeme mit Befehls- und Meldegeräten steigen mit der Produktsensibilität:
Überall dort, wo Produkte offen verarbeitet oder abgefüllt werden, muss das Hygienic Design besonders konsequent umgesetzt werden.
Die Georg Schlegel GmbH & Co. KG hat hygienegerechte Anforderungen in ihre Produktentwicklung integriert. Der Hersteller hat Not-Halt-Geräte, die normgerechte Sicherheit mit hoher Reinigungsfreundlichkeit verbinden. Passendene Not-Halt-Schalter sind in der Baureihe Shortron und in der Baureihe Shortron Zwischenbau erhältlich. Durch innovative Dichtungskonzepte wird verhindert, dass Mikroorganismen hinter den Schalter gelangen.
Ein hygienisches Bedienkonzept endet jedoch nicht beim Not-Halt. Für eine durchgängige "Clean Line" an der Maschine sind auch Drucktaster und Meldeleuchten im Hygienic Design erforderlich. Auch hier bietet Schlegel entsprechende Komponenten (Rontron-R-Juwel und Shortron Zwischenbau) an, die sich nahtlos in hygienische Anlagenkonzepte einfügen lassen.
Hygienegerechte HMI‑Systeme sind speziell für reinigungsintensive und hygienekritische Produktionsumgebungen konstruiert. Sie zeichnen sich durch geschlossene, gut reinigbare Oberflächen, geeignete Schutzarten (z.B. IP69K) sowie materialseitige Beständigkeit gegenüber Reinigungschemikalien und Temperaturbelastungen aus und tragen so zur Langlebigkeit und Sicherheit von Maschinen bei.
Standard‑HMI‑Systeme erfüllen diese Anforderungen konstruktiv in der Regel nicht.
Für Anwendungen ohne direkte Hochdruck‑ oder Heißwasserreinigung können Schutzarten wie IP66 oder IP67 ausreichend sein.
In Produktionsbereichen mit intensiver Nassreinigung hat sich IP69K (nach DIN 40050‑9) als relevanter Industriestandard etabliert.
Zentrale normative Grundlagen sind:
Diese Regelwerke definieren Mindestanforderungen und werden bei Audits systematisch herangezogen.
Edelstahl 1.4404 / 316L bietet eine hohe Korrosionsbeständigkeit gegenüber aggressiven Reinigungsmedien, ist lebensmittelkonform ohne zusätzliche Beschichtungen und besitzt eine glatte, porenfreie Oberfläche. Dadurch eignet er sich besonders für den dauerhaften Einsatz in hygienekritischen Produktionsumgebungen.
Ja, kapazitive Glasoberflächen bieten aufgrund ihrer geschlossenen Struktur sehr gute Reinigungseigenschaften für hygienesensible Umgebungen.
In Produktionsbereichen mit Schutzhandschuhpflicht ist jedoch zu prüfen, ob die Bedienbarkeit gegeben ist oder spezielle handschuhkompatible Ausführungen erforderlich sind.
Hygienegerechte HMI-Systeme entstehen nicht durch zusätzliche Maßnahmen im Betrieb.
Sie entstehen durch Konstruktion.
Entscheidend sind:
Wenn diese Faktoren erfüllt sind, lässt sich Hygienesicherheit reproduzierbar herstellen.
Wenn nicht, bleibt sie vom Reinigungsprozess abhängig.