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Anschluss Sicherheitsrelais und Nothalt

Wie wird ein Not-Aus-/Not-Halt-Schalter mit einem Sicherheitsrelais verdrahtet?

Der Not-Halt ist das wohl wichtigste Bedienelement an jeder Maschine: Im Gefahrenfall muss aus einem einzigen Tastendruck zuverlässig ein sicherer Stillstand erreicht werden. Damit das funktioniert, reicht der Schalter allein nicht aus – er muss korrekt mit einem Sicherheitsrelais und den nachgeschalteten Schützen verdrahtet werden. Dieser Beitrag erklärt Schritt für Schritt, wie diese Sicherheitskette aufgebaut ist und worauf es bei der Verdrahtung ankommt.

Not-Aus oder Not-Halt – wo liegt der Unterschied?

Die beiden Begriffe werden im Alltag oft synonym verwendet, meinen aber zwei unterschiedliche Funktionen:

  • Ein Not-Halt bringt die Maschine kontrolliert in einen sicheren Zustand und fährt den betroffenen Anlagenteil sicher herunter. Nach Betätigung verriegelt der Taster und muss durch Drehen oder Ziehen entriegelt werden, bevor ein Neustart möglich ist.
  • Ein Not-Aus trennt die Anlage von der Stromzufuhr. Da die Maschine dabei nicht zuvor in einen sicheren Zustand gebracht wird, kann unter Umständen weiterhin eine Restgefahr bestehen.

In der Praxis der Maschinensicherheit dominiert die Not-Halt-Funktion. Die Verdrahtung an ein Sicherheitsrelais ist in beiden Fällen vom Prinzip her identisch.

Was ein Sicherheitsrelais leistet

Ein Sicherheitsrelais (auch Sicherheitsschaltgerät) sitzt zwischen dem Not-Halt-Taster und den Schützen, die die gefährliche Energie tatsächlich abschalten. Es übernimmt drei Aufgaben:

  1. Es überwacht die Kontakte des Not-Halt fortlaufend auf Fehler.
  2. Es schaltet ab, sobald der Taster betätigt wird, indem es seine Sicherheitsausgänge öffnet.
  3. Es gibt erst nach einem kontrollierten Reset wieder frei – ein unbeabsichtigter Wiederanlauf wird so verhindert.

Ein- oder zweikanalig: warum Redundanz zählt

Für einfache Anwendungen lässt sich ein Not-Halt einkanalig anschließen. Für die höheren Sicherheitsanforderungen wird er jedoch zweikanalig verdrahtet: Zwei voneinander unabhängige Öffnerkontakte speisen je einen Eingangskanal des Relais.

Diese Redundanz – kombiniert mit der Querschlussüberwachung des Relais – erkennt einen Drahtbruch, einen verschweißten Kontakt oder einen Kurzschluss zwischen den beiden Kanälen. Genau das ist die Voraussetzung, um Kategorie 3 oder 4 und Performance Level d oder e nach EN ISO 13849-1 zu erreichen.


Schritt für Schritt: Not-Halt am Sicherheitsrelais anschließen


Anschluss Sicherheitsrelais

Die Klemmenbezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller. Verdrahten Sie deshalb immer nach dem tatsächlichen Datenblatt Ihres Relais. Beispielhaft sieht der Aufbau so aus:

  1. Energieversorgung anschließen
  2. Kanal 1 verdrahten – von der kanalseitigen Quellklemme des Sicherheitsrelais über den ersten Öffnerkontakt des Not-Halt zurück auf den Eingang von Kanal 1 (z. B. 11-12).
  3. Kanal 2 verdrahten – genauso über den zweiten Öffnerkontakt auf den Eingang von Kanal 2 (z. B. 21-22). Viele Geräte speisen die beiden Kanäle aus unterschiedlichen getakteten Ausgängen, damit ein Querschluss zwischen den Kanälen erkannt wird – hier exakt dem Datenblatt folgen.
  4. Reset einrichten – einen tastenden Schließer (Reset-Taster) über die Reset-Klemmen (z. B. 13-14) anschließen. Beim überwachten manuellen Reset zieht das Relais erst beim Loslassen des Tasters an; so wird ein klemmender oder überbrückter Reset-Taster erkannt.
  5. Ausgänge auf die Schütze führen – die beiden Schließer-Sicherheitsausgänge des Sicherheitsrelais (z. B. 13-14 und 23-24) steuern zwei getrennte Schütze LS1 und LS2, die die Motorleistung schalten. Zwei Schütze im Leistungspfad sorgen für die Redundanz.
  6. Rückführkreis (EDM) schließen – die zwangsgeführten Spiegelkontakte (Öffner) von LS1 und LS2 in Reihe in den Reset-/Rückführkreis legen. Verschweißt ein Schütz, bleibt sein Spiegelkontakt offen und das Relais lässt sich nicht mehr zurücksetzen. So wird ein defektes Schütz zuverlässig erkannt.

So verhält sich der Kreis im Betrieb

Wird der Not-Halt gedrückt, öffnen beide Kanäle, das Relais fällt ab, die Sicherheitsausgänge öffnen und K1/K2 fallen ab – die Energie wird abgeschaltet. Das bloße Entriegeln des Not-Halt-Schalters bewirkt dabei noch nichts: Der Kreis bleibt sicher abgeschaltet, bis der Reset-Taster gedrückt und wieder losgelassen wurde.

Stoppkategorie 0 oder 1?

Vor der Verdrahtung sollte die Stoppkategorie nach EN 60204-1 feststehen:

  • Kategorie 0 – sofortiges Abschalten der Energie (wie im Beispiel oben).
  • Kategorie 1 – gesteuertes Stillsetzen mit anschließender Energieabschaltung; benötigt zusätzlich ein Zeitrelais bzw. eine antriebsgeführte Stopp-Funktion und ändert damit die Verdrahtung.

Welche Kategorie erforderlich ist, ergibt sich aus der Risikobeurteilung der jeweiligen Maschine.

Worauf es beim Kontaktgeber ankommt

So robust die Auswertung im Relais auch ist – sie kann nur so sicher arbeiten wie das Signal, das der Kontaktgeber liefert. Drei Eigenschaften sind entscheidend:

  • Zwangsöffnung nach EN 60947-5-1, Anhang K: Der Öffnerkontakt wird mechanisch zwangsweise getrennt, selbst wenn ein Kontakt verschweißt sein sollte.
  • Schalten kleiner Ströme: Moderne, elektronische Sicherheitsrelais arbeiten mit getakteten Ausgängen und sehr niedrigen Prüfströmen. Der Kontaktgeber muss diese kleinen Ströme zuverlässig schalten können.
  • Selbstüberwachung: Kontaktgeber, die sich bei mechanischer Beschädigung oder bei Trennung von Kontaktgeber und Betätiger selbst auslösen, schließen eine Lücke, die der Relaiskreis allein nicht abdeckt.

Passende Komponenten von Schlegel

Für genau diese Anforderungen bietet die Georg Schlegel GmbH & Co. KG ein durchgängiges Programm „Made in Germany":

  • Zwangsöffnende Kontaktblöcke, ein- oder zweikanalig (EN 60947-5-1, Anhang K) – passend zur ein- oder zweikanaligen Auswertung jedes gängigen Sicherheitsrelais.
  • Schalten kleiner Ströme ab 5 mA bei 24 V und darunter – kompatibel mit getakteten Eingängen elektronischer Sicherheitsschaltgeräte.
  • Selbstüberwachende Not-Halt-Kontaktgeber, die bei nachlässiger Montage oder Beschädigung automatisch auslösen.
  • Not-Halt mit beleuchteter Statusanzeige aktiv/inaktiv (gemäß EN ISO 13850:2015) – verhindert das Verwechseln aktiver und inaktiver Taster an trennbaren Bedienpanels.
  • Vorkonfektionierte Not-Halt- und Reset-Taster im Gehäuse für den überwachten Reset-Eingang.
  • AS-Interface „Safety@Work" als Alternative zur diskreten Relaisverdrahtung.
  • Robuste Bauformen (Einbauöffnungen Ø 16,2 / 22,3 / 30,5 mm sowie eckige Varianten), Schutzarten IP65 bis IP69K, Dreh- oder Zugentriegelung – TÜV- und UL-zugelassen, zertifiziert nach EN 60947-5-5 und DIN EN ISO 13850.

Checkliste: Normen und Validierung

Bevor Sie die Sicherheitsfunktion einsetzen:

  • Risikobeurteilung durchführen und erforderlichen Performance Level (EN ISO 13849-1) bzw. SIL (EN 62061) festlegen.
  • Stoppkategorie nach EN 60204-1 wählen
  • Reset außerhalb des Gefahrenbereichs anordnen, mit Sicht auf den Gefahrenbereich (EN 60204-1).
  • Daran denken: Der Not-Halt ist eine ergänzende Schutzmaßnahme – er ersetzt keine trennenden oder verriegelten Schutzeinrichtungen.
  • Schütze mit zwangsgeführten (Spiegel-)Kontakten verwenden, sonst kann der Rückführkreis ein Verschweißen nicht erkennen.
  • Die Sicherheitsfunktion validieren: Taster, jeden Kanal einzeln, simulierten Drahtbruch und ein klemmendes Schütz testen – und von einer Elektrofachkraft abnehmen lassen.

Fazit

Ein Not-Halt wird sicher, wenn die gesamte Kette stimmt: zwangsöffnender, redundanter Kontaktgeber am Eingang, überwachte Auswertung im Sicherheitsrelais und redundante Lastabschaltung mit Rückführkreis am Ausgang. Wer beim Kontaktgeber auf Zwangsöffnung, das Schalten kleiner Ströme und Selbstüberwachung achtet, legt das Fundament für eine normkonforme und zuverlässige Sicherheitsfunktion.

Sie planen eine konkrete Anwendung? Im  Produktkonfigurator  von Schlegel stellen Sie sich den passenden Not-Halt mit dem richtigen Kontaktgeber zusammen.

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